Jetzt ist es aber passiert
Tag 24-27: Es war ja eigentlich nur eine Frage der Zeit. Irgendwann muss es ja kommen. Ich meine, wenn man ein Jahr lang rum reist, wie sollte es da auch ausbleiben? Ich habe mich verliebt! Ich habe mich in diese wunderbare Stadt verliebt, San Francisco!
Bevor ich überhaupt aus Deutschland losgezogen bin wusste ich dass mich in den USA zwei Städte ganz besonders interessieren würden. Das war zum einem New York, wo ich ja auch schließlich eine Woche war und es ist San Francisco. Viele haben mir schon im Vorfeld von der Stadt vorgeschwärmt und ich hatte auch mein ganz eigenes Bild von dieser Stadt (unter Anderem auch geprägt durch Computerspiele in meiner Jugend).
Kalt ist es hier
Als ich in San Francisco angekommen bin habe ich mich erstmal von kurzem T-Shirt und Shorts auf lange Hose, Pullover und Jacke umgezogen. Ich bin schließlich gerade von 37°C und 80% Luftfeuchtigkeit in eine Region geflogen die mit 23°C und trocken auf mich gewartet hat. Der erste Eindruck war also nicht der beste. Mein Host Jonathan hat mich vom Flughafen direkt abgeholt und wir sind in die Half Moon Bay gefahren, wo sein Segelboot im Hafen liegt. Das Schöne an manchen Begegnungen ist einfach, dass man sich trifft und weiß man kommt sehr gut miteinander aus – so ist es hier auch gewesen.
United Airlines bietet nicht mal mehr kostenloses Entertainment an. Deswegen gab es kein Bild mit der Route.
Jonathan hat dann den Grill am Heck seines Boots angeschmissen und er hat ein super Essen zubereitet. Er selbst ist den Deutschen und der deutschen Kultur sehr angetan und liebt Sauerkraut (wer hätte das gedacht). Nachdem sich sein Bootsnachbar noch zum Essen selbst eingeladen hat (auch ein Deutscher) haben wir zu dritt ein super Abendessen genossen und nebenher die politischen Probleme dieser Welt gelöst diskutiert. Ich war zwar komplett anderer Meinung als mein Landsmann, aber wir konnten den Abend dennoch im Guten beenden mit der Gewissheit den anderen nicht von unserer Meinung überzeugt zu haben.
The windy city
Nachdem Jonathans Boot mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht sehr gut zu erreichen ist, bin ich in den Tagen die ich bei ihm verbracht habe früh aufgestanden und bin mit ihm zu seiner Arbeit gefahren (er arbeitet in Redwood City in einem Krankenhaus). Von dort aus konnte ich dann jeden Morgen mit dem Zug nach San Francisco fahren.
Ich bin dann schon um 8.30 Uhr in der Stadt gewesen und konnte erstmal etwas verloren gehen. Beim Rumschländern bin ich dann dem Stadion der San Francisco Giants (ich glaube dem Lieblingsteam von Captain Sisko aus der Serie „Star Trek: Deep Space Nine) begegnet und hab mich über den kalten Wind geärgert. Der Ausdruck „the windy city“ ist eigentlich Chicago vorbehalten, aber an dem Tag hätte es auch auf San Francisco gepasst.
Nachdem das Wetter ohnehin nicht so schön war hab ich an dem Tag noch paar organisatorische Sachen geklärt (mein Roadtrip nächste Woche in den Yosemity Nationalpark und nach Los Angeles; und mein Japanaufenthalt) und bin schließlich in Chinatown gelandet. Ich war unglaublich fasziniert von Chinatown! Ich war zwar noch nie in China, könnte mir aber gut vorstellen, dass es dort ähnlich ausschaut. Außerdem ist in San Francisco offensichtlich Chinatown deutlich größer als in Washington.
Den Abend habe ich dann wieder zurück bei Jonathan verbracht. Er hat wieder hervorragend gekocht (ich werde hier glaube ich etwas zu sehr verwöhnt) und anschließend sind wir mit zwei italienischen Bedienungen in die örtliche Hafenkneipe gegangen.
Man bin ich blöd
Über Couchsurfing hat sich Aaron bei mir gemeldet. Er hat für den Tag vor sich ein Fahrrad zu mieten und etwas die Stadt auf Rädern zu erkunden. Ich fand das eigentlich eine schöne Idee und habe beschlossen mich anzuschließen. Vom Bahnhof zum Fahrradverleih war es aber dann doch eine geschlagene Stunde Fußmarsch. Dabei bin ich jedoch durch richtig schöne Gegenden von San Francisco gekommen (ohne es beabsichtigt zu haben).
Ich habe mich dann an Fishermen’s Warft mit Aaron getroffen und wir sind zum Fahrradverleih gegangen. Ich möchte das hier nur nochmal in aller Klarheit sagen: Wir haben uns in der Stadt, die für Berge und Cablecars bekannt ist, die Stadt in der die Autos (in den Filmen) wegen den Steigungen fliegen, ein Fahrrad geliehen! Es war auch nicht so als ob wir eine Topografische Karte dabei gehabt hätten, sondern nur eine Straßenkarte womit wir aufs gerade Wohl navigiert haben.
Inzwischen haben wir festgestellt dass die Stadt insgesamt größer und VIEL hügeliger ist als wir uns das anfangs dachten. Da ich meinen Zug zurück nach Redwood City (und damit nach Half Moon Bay zu Jonathan) erwischen musste, habe ich mich von Aaron getrennt und bin so schnell wie möglich Richtung Fahrradverleih gefahren.
So schnell wie möglich heißt auch, dass ich die Berge in einer Geschwindigkeit hochgespurtet bin und alle anderen Fahrradfahrer hinter mir gelassen haben. Nach etwa der Hälfte des Rückwegs (also nach circa 30 Minuten) ist eine kleine Stimme in mir immer Lauter geworden. Die Stimme hat gejammert und gebettelt: „Papa, ich kann nicht mehr! Kannst du das Auto holen? Ich setz mich hier an den Straßenrand. OK?“ Diese Stimme ist immer lauter geworden. Aber es hilf nichts.
Nach etwa einer Stunde war ich also am Fahrradverleih und müsste jetzt noch eine Stunde zu Fuß durch die Stadt laufen. Nachdem aber ich jetzt schon spät dran war um zu Jonathan zu kommen hab ich wohl das erste mal in meinem Leben ein Taxi auf der Straße angehalten, dass ich zum Bahnhof komme.
Übrigens habe ich meinen Zug um 3 Minuten verpasst. Gut dass Jonathan etwas anderes machen konnte bis ich in Redwood City angekommen bin.
Der Tag ist ein Traum!
Am nächsten Tag ist endlich schon frühs die Sonne raus gekommen. Ich bin bei schönsten Sonnenschein nach San Francisco gefahren und wollte die Gegend um die Golden Gate Bridge erkunden. Als ich in der Straßenbahn saß bekam ich eine Nachricht von einer Leah. Sie hat gesehen dass ich gerade in San Francisco bin und wollte ohnehin zur Golden Gate Bridge. Wir haben uns dann an der Brücke getroffen, wobei ich keine Ahnung hatte wer da gleich auftaucht (es ging also alles via SMS und nicht über das Couchsurfing Profil).
Leah hat eigentlich einen sehr straffen Zeitplan. Sie hat die Orte, die sie besuchen möchte, sogar mit Uhrzeit verbunden, sodass sie an dem Wochenende alles erleben kann was sie will. Ich habe mich bereit erklärt ihrem Zeitplan zu folgen, aber sie war an meinem Reisestil interessiert. Wir haben dann den Tag schließlich so verbracht wie ich ihn verbringen würde. D.h. wir sind erstmal auf die andere Seite der Golden Gate Bridge gelaufen und haben die unglaublich schöne Aussicht genossen.
Auf der anderen Seite angekommen haben wir ein paar Minuten an dem Besucherzentrum verbracht und schließlich beschlossen auf den nahegelegenen Hügel zu laufen um die Aussicht von dort oben zu bewundern. Wie sehr ich es einfach genieße auf Dinge zu steigen und von Oben auf das unter mir liegende Tal zu schauen.
Und dann sind wir schließlich oben angekommen. Es war der perfekte Moment. Genau richtig! Ich war genau jetzt genau hier! Nirgendwo sonst! Worte können nicht mein Glücksgefühl beschreiben das ich in dem Moment hatte. Jetzt! Hier! Es war einfach so schön! Ich habe die Aussicht in mich aufgesogen, ich habe den Wind gespührt, ich habe die Farben gesehen, ich habe die Luft gerochen. Es war einfach perfekt!
Genau in dem Moment haben meine Freunde vom Wakagi angefangen ins Sommerlager zu fahren. Das ist jetzt das erste Sommerlager, das ich seit 7 Jahren verpassen werde und ich war etwas traurig es zu verpassen. Das Gefühl der Trauer hielt allerdings nicht lange an, da ich einfach hier war! Genau hier!
In Gedenken an meine Wakagis, habe ich allerdings Leah erlaubt mich vor der Golden Gate Bridge zu verprügeln:
- Ichimonchi no Kamae
- Leah wehrt ab…
- … dreht sich ein…
- … senkt ihren Schwerpunkt…
- … und schmeißt mich nach vorne.
- Dank meiner Ninja-Skills kann ich aber mit einer Rolle…
- … unverletzt und lachend wieder aufstehen
Wir waren beide Glücklich und wollten unser Glück jetzt tatsächlich auf die Probe stellen. Beide sind wir noch nie per Anhalter irgendwo mitgefahren, dachten uns aber wir könnten es doch heute mal probieren. Schließlich müssen wir ja irgendeinen Weg zurück in die Stadt finden (gut, die Bushaltestelle war wirklich nicht weit). Wir haben uns dann also an die Straße gestellt und den Finger rausgehalten. Wir standen geschlagene 3 Minuten da bis uns ein Auto mitgenommen hat. Man, was für ein genialer Tag!
Wir hatten ja keinen langen Weg gemeinsam, weswegen ich nicht allzuviel über unsere Fahrer weiß. Der Fahrer, Carter, hat aber erzählt, dass er vor etwa 20 Jahren schonmal einen Anhalter mitgenommen hatte. Vor 20 Jahren war dieser Mann gerade frisch aus dem Gefängnis entlassen worden und war gerade das erste mal seit seiner Freilassung auf dem Weg nach Hause. Carter hat den Mann dann bis vor seine Haustüre gefahren.
Und jetzt ein echtes Computerspiel
Nachdem Leah und ich wieder in San Francisco waren, haben wir uns noch schnell was zum Essen geholt und mussten uns auch schon wieder verabschieden, da mein Zug zurück zu Jonathan ging. Als er mich abholte sind wir nicht die ursprüngliche Route nach Hause gefahren, sondern er ist mit mir durch den Redwood Forest bis in ein kleines Dörfchen gefahren, das eine Kneipe besitzt die seit 1898 im Besitz der gleichen Familie ist. Für die USA Westküste ist das außergewöhnlich lange.
Need For Speed war von einem Amerikanischen Hersteller, weswegen die Umgebung einfach perfekt passte
Wir sind dann in diesem kleinen Dorf gelandet und saßen an der Bar mit diesem unglaublich bemerkenswerten Barkeeper. Doug (so der Name des Barkeepers) hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel und viel Lebenserfahrung. Ich habe ihm erzählt dass mein bester Freund ebenfalls Barkeeper ist und hab ihn gefragt ob ich ein Bild von ihm machen darf. Hier hatte ich übrigens auch gleich meinen aller, aller ersten Blody Marry (anfangs richtig gut, zum Ende hin musste ich ihn aber reindrücken).
Auf dem Weg zurück sind wir dann den Highway #1 gefahren. Den Highway werde ich kommende Woche nochmal mit Sylvie – einer Französin, die ich über Couchsurfing kennengelernt habe – abfahren auf dem Weg nach Los Angeles.
Diesmal fällt der Abschied leicht
Endlich kann ich mal gut Abschied nehmen. Nein, nicht weil ich Jonathan nicht mag, sondern einfach weil ich weiß dass ich kommende Woche auf dem Weg nach Los Angeles wieder bei ihm einen Nacht halten werde. Ich freue mich, dass es diesmal wirklich leichter ist. Es wird aber kommende Woche umso schwerer, da ich mich mit Jonathan wirklich sehr gut verstanden habe!
Heute werde ich dann nach San Francisco (also direkt in die Stadt) umziehen zu einen neuen Host – Ben. Darüber berichte ich dann in meinem nächsten Beitrag.
Chinatown is nothing like real China. But I will leave this myth to you.
Maybe not this year, but you will be in China sometime in the future. 😉
Pingback: Das höchste Hoch! | Eumel Blog
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Haha, die Fahrradgeschichte ist total witzig! Das hätte mir auch passieren können.
Und nur drei Minuten Wartezeit ist natürlich klasse, aber andererseits würde mich interessieren wie lange es gedauert hätte, wenn du dort alleine gestanden wärst. Ein hübsches Mädel nimmt ja jeder gern mit.
So, und jetzt muss ich noch einen schwerwiegenden Fehler korrigieren: Captain Sisko wird natürlich nicht Fan der Giants sein. Ich dachte erst, er wird Fan eines fiktiven Teams sein, aber dann habe ich nochmal nachgeschaut und festgestellt, dass er Fan des einzig wahren Baseball-Teams sein wird: Den New York Yankees 😉
http://en.memory-alpha.wikia.com/wiki/Benjamin_Sisko
Mensch Flo freu ich mich dass du wieder da bist und kommentieren kannst 😀
Also, ich habe mich ganz klar auf diese Situation bezogen:
http://ds9.trekcore.com/gallery/albums/7×04/takemeout_128.jpg
Warum sollte man eine Giants Basecap tragen wenn man kein Giants Fan ist?
(Let the Star Trek Nerd War begin 😛 )
Auf den Star Trek Nerd War war ich eigentlich aus. Aber den hab ich hier schon verloren, weil du das mit dem Bild ganz gut belegt hast.
Ich glaube Sisko hat sich in der Folge einfach vertan. Eigentlich wollte er natürlich die Cap des Einzig Wahren Teams™, den New York Yankees tragen. 😉
Und das „Einzig Wahre Team“ ist eine Trademark? 😛
Natürlich™, was denkst du denn? 😉